Das Ende einer langen Reise, Bern – Schweiz
07.09.2005

Hallo,

so langsam beginnt es in meinem Kopf Realität zu werden, die Reise ist seit fast drei Wochen vorbei – die Tenere steht verlassen in der Garage in Bochum – und ich sollte die Jobangebote in der Berner Zeitung genauer betrachten. Trotzdem kommt mir diese Realität so fremd vor, nach all den Reisejahren soll ich jetzt wieder ins Büro oder auf die Baustelle gehen, so als wenn nichts gewesen wäre? Ihr merkt schon, noch bin ich ein wenig verloren in der Realität Europas. In der Zeitung lese ich über die Orte an denen ich war, oft kommen mir die Berichte so falsch und verlogen vor, dass ich sie gar nicht zu ende lese.

Natürlich ist das Leben in Europa weitergegangen ohne mich und so kenne ich vieles nicht – noch nicht - und muss mich hier erst langsam einleben. Niemanden interessiert es, wie ich mich in Rio de Janeiro ohne Strassen Karte zurecht gefunden habe oder wie ich im Fernen Osten Russlands an Weggabelungen in der Tundra stand und doch irgendwie wusste wo es weiter geht. Jetzt ist eine andere Art von Denken gefragt, Leistungsdenken und nicht mehr nur ankommen ist das Ziel. Mich erschlägt das Angebot an allem hier. Warum haben wir dreißig verschiedene Waschmittel im Supermarkt? Dreihundert verschiedene Käsesorten? Wer will ein Mobiltelefon mit eingebautem Fernseher? Ja, wir leben im Überfluss.

Mein Traum, den ich gelebt habe, ist und wird immer meine Realität sein. Ich weiß wie Indien riecht, ich weiß wie sich eine von Mückenstichen geschwollene Hand anfühlt, ich weiß was es heißt ein voll beladenes Motorrad mit gebrochenem Bein durch Angola zu fahren. Die Reise ist zu Ende, ein neues Leben hat begonnen, doch es ist nicht das gleiche Leben das ich vor Jahren zurück gelassen habe. Geld habe ich keins mehr, aber glaubt mir, ich fühle mich wie der reichste Mensch der Welt.

Auch die Menschen, die ich auf dieser Reise kennen gelernt habe – Euch – haben die Reise so speziell und erst möglich gemacht. Danke. Über meine unregelmäßigen Emails habe ich versucht Euch ein wenig an der Reise teilhaben zu lassen. Euch zumindest in Gedanken kurz auf einen fremden Kontinent zu versetzen.

Am 20.08.2005 ging die Reise für uns mit einem kleinen Motorradkorso in Bochum zu Ende.
Achtzehn Freunde haben uns von Holland begleitet und einige mehr sind abends zur Party dazu gestoßen. Danke nach Bochum für die perfekte Organisation :-)) Sehr gefreut habe ich, dass viele die weite Anreise und den Regen nicht gescheut haben. Alfred kam aus Österreich und hat anschließend seine Weltreise begonnen, er ist jetzt auf dem Weg nach Indien in Istanbul. Schön war es auch einige langjährige Internet Bekannte persönlich kennen zu lernen. Dafne de Jong (www.ride-onMotorTours.com), eine holländische Motorradweltreisende habe ich mehrmals unterwegs verfehlt und konnte sie jetzt erst persönlich kennen lernen. Klaus Mechelke (der Experte bei www.xt600.de) aus Winsen bei Hamburg hat mich bei technischen Fragen und mit Ersatzteilen unterstützt, ihn persönlich kennen zu lernen und mit ihm ein Bier zu trinken war schon etwas nach all den Jahren und Emails. An die Firma Kedo (www.kedo.de) nach Hamburg ein Danke Schön! für das Kennzeichen um meine Tenere halbwegs legal auf deutschen Strassen bewegen zu können.

Holger, ein alter Kommilitone, hat uns großzügigerweise seinen Gänsestall geschenkt. Einen fahrbereiten Ford Fiesta. Die Tenere sollte in Bochum bleiben und wir konnten nicht zu zweit auf Damaris Suzuki DR nach Bern fahren, also kam der Gänsestall gerade recht. Danke Holger und Alex.

Jetzt kann auch der Kampf gegen die Krankenversicherung (macht einen großen Bogen wenn Ihr die Buchstaben DKV seht!!) richtig beginnen, sie weigert sich immer noch mit immer neuen fadenscheinigen Begründungen die Krankenhaus Kosten vom Februar zu bezahlen. Aber am Ende geht es nur um Geld, da ich schon lange wieder gut laufen kann, und da sind Versicherungen schon immer besser im Abbuchen als im Bezahlen gewesen.

Von jetzt an wird es diese Gruppensender Emails nicht mehr von mir geben, sondern nur noch persönlich Emails. Trotzdem hoffe ich sehr, dass wir in Kontakt bleiben und uns demnächst hier in Bern oder sonst wo treffen.

Danke nochmals an alle, die an uns geglaubt haben und uns mit Rat und Tat während der Reise unterstützt haben. Neben allem was wir in den nächsten Jahren vor haben, werden wir auch versuchen andere Langzeitreisende zu unterstützen.

Lest mehr über unsere Reise, wenn ich im Winter die Internetseite aktualisiert habe.

Ansonsten schöne Grüsse und bis dann

Mika und Damaris